Man nehme eine Karte von Indochina, mache die Augen zu und lasse den Finger irgendwo auf die Karte fallen.

So hat es Rüdiger Beck und Jörg Lorenz nach Kambodscha verschlagen ....... und sie haben es nicht bereut!

Malaria, Minen, Rote Khmer: nichts von alle dem haben wir in den 14 Tagen gesehen oder bekommen. Stattdessen eines der abgefahrensten Länder mit äußerst großem Chill-Faktor erlebt......

Das neben stehende Bild zeigt beispielsweise den Blick von der Terrasse des Guesthouses Nr. 9 in Phnom Penh. Ziemlich langweilig eigentlich ....

Die Reise: Schneidig wie Rüdiger Beck und Rüdiger Lorenz sind, wählten sie eine Route zur Einreise nach "cambodia", die nur wenige Touristen einschlagen. Von Bangkok ging es mit dem Sammeltaxi zur südwestlichen Grenze von Kambodscha. In Hat Lek passierten wir zu Fuß die Grenze und mussten den Khmers erst einmal hoch und heilig versprechen, dass wir kein SARS haben und auch sonst nichts Böses im Schilde führen. Und schon standen wir in der Region Koh Kong - eine als gesetzlos geltende Provinz, die vom Rest des Landes mehr oder weniger abgeschnitten ist und als ein Paradies für Schmuggler gilt. Nicht ganz ungefährlich sind in der Gegend angeblich auch die Malaria-Mücken, die mittlerweile "ressistent" gegen sämtliche Pillen geworden sind. Das erklärt auch das Bild links.

Irgend jemand ist auf die phantastische Idee gekommen, in genau dieses Gebiet eine riesiges Grandhotel namens "Koh Kong International Resort Club" mit bestimmt 300 Betten zu bauen. Wir waren jedenfalls die einzigen Gäste und beobachteten jede Mücke mit einem gewissen Maß an Misstrauen ...

Um's vorweg zu nehmen, wir haben keine Malaria bekommen. Nach einer höflichen Verabschiedung und einer kleinen Moped-Tour (ich weiß auch nicht, wo der Konni da hin gefahren ist) ging es mit dem Speed-Boot nach Shinouk Ville - eine Art Badeort am Golf von Thailand für die gestressten Einwohner Phnom Phens. Die recht beschaulich beginnende Bootsfahrt (Bild rechts) wurde dann doch noch etwas ungemütlich. Plötzlich wurde die See rauer und der gemütliche Platz im Freien nasser und nasser. Nachdem Konni noch heldenhaft einen kleinen Buben gerettet hatte, der über Bord zu gehen drohte, gesellten wir uns zu den fröhlich reiernden anderen Passagieren ins Speed-Boot.

Bevorzugtes Reisemittel war für uns ab Shinouk Ville das Moped. Da in Shinouk Ville aber auch ein nicht zu verachtendes Bier (Angkor) gebraut wird, mieteten wir uns die zu den Mopeds passenden Fahrer gleich mit - man gönnt sich ja sonst nichts. Erwähnenswert in Shinouk Ville ist die Bar am Ende der Welt. Fern ab des Trubels der badenden Phnom Phener, die abends auch mit ohrenbetäubenden Karaoke-Veranstaltungen das Meer beschallen, latscht man mehrere Kilometer am Strand entlang (Richtung Vietnam), bis man vage ein Licht am Horizont erkennt. Die etwas abseits gelegene Bar am Ocheurteal Beach (traumhaftes Meeresrauschen und Grillengezirpe inklusive) gehört offensichtlich einem Briten, der zur Zeit noch vergeblich auf das Einsetzen des Fremdenverkehrs wartet. Zu vorgerückter Stunde trifft man dort nicht mehr ganz nüchterne Traveller aus aller Herren Länder.

Weitere Highlights in Shinouk Ville, die wir in der kurzen Zeit erleben durften (2 Tage), sind unter anderem das Snake House - hier nimmt man seine Mahlzeit zwischen hunderten von Schlangen zu sich - und die Marlin Bar.

Den größen Chill-Faktor von Shinouk Ville bietet ein Ausflug in den nahe gelegenen Ream National Park, den wir auch via Moped bereisten. Weit kamen wir allerdings nicht. In diesem kleinen Fischerdorf (r.) war es so gemütlich und der Ausblick auf die Bucht dermaßen gigantisch, dass wir es vorzogen, den Tag auf den bereitgestellten Ligestühlen zu verbringen.

Nach dermaßen viel Gemütlichkeit wurde es etwas hektischer, aber nur kurz. Nach der Taxi-Fahrt von Shinouk-Ville nach Phnom Penh (230 Kilometer) stiegen wir erst einmal im Guest-House Nr. 9 ab, das ebenfalls einen nicht zu verachtenden Chill-Faktor bietet.

Nach so viel gechille bekam Konni einen kurzen Ausraster: Vehement machte er darauf aufmerksam, dass es so nicht weitergehen kann. Schließlich wolle er sich etwas vom Land ansehen und nicht die ganze Zeit nur abhängen. So oder so ähnlich hatte er sich geäußert. Ist aber auch völlig egal, denn nach einer kurzen Siesta sah er das ganze ohnehin nicht mehr so eng.

Aber immerhin ein bisschen guten Willen haben wir bewiesen und schauten uns bei geschätzten 35 Grad die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Phnom Phen an, deren Namen mir allerdings entfallen sind:

Als etwas kritisch stufte Jörg Lorenz die Fahrt mit dem Speed-Boot von Phonm Phen nach Siem Reap ein. Der Kapitän des Schiffes hatte sich dafür aber auch alle Mühe gegeben. Kurz nach dem Ablegen steuerte er seinen Kahn ersteinmal schnurstracks auf das linke Ufer des Tonle Sap zu, das im weiteren Verlauf der Reise bedenklich näher kam. Statt wie zu erwarten den Rückwärtsgang, legte der Gute den Vorwärtsgang ein und gab Vollgas. Was ihn dazu bewogen hat, blieb sein Geheimnis. Der voll besetzte Touri-Dampfer rauschte jedenfalls ungebremst in die Böschung und blieb in bedrohlicher Schieflage hängen. Irgendjemand erbarmte sich dann offensichtlich doch noch, dem Kapitän (Gerüchten zufolge war er nicht ganz nüchtern) zu zeigen, wie man den Rückwärtsgang einlegt und die Fahrt ging weiter - nicht nur zur Überraschung von Jörg Lorenz ohne weitere Unfälle.

Zimmer mit Aussicht: Keine Wünsche offen ließ unser Guesthouse in Siem Reap. Vor allem die Aussicht von unserem Fenster war äußerst ansprechend. Während im Bildhintergrund Musterschüler einer kambodschanischen Grundschule eifrig lernen, warten im Vordergrund rund 30 ausgewachsene Krokodile auf die nächste Fütterung. Die putzigen Tierchen gehören dem Geusthousebesitzer, der sich mit ihnen ein keines Zubrot verdient.Dieses freundliche Tier wünschte uns übrigens gerade einen "wunderschönen guten Morgen".

Jam, jam! Für Feinschmecker bietet Siem Reap alles was man sich nur erträumen kann. Die Highlights: der Sawasdee Foodgarden und das Chivit Thai (Bild l.). Vor allem die Fischgerichte sind ein Traum - frisch und äußerst schmackhaft!!! Man sieht's an dem zufriedenen Gesichtsausdruck. Als Beilage für alle Gericht empfiehlt sich freilich das allseits beleibte Angkor-Beer.

Wieder mal per Moped haben wir natürlich eine ganze Reihe von Tempeln und Urwälder erkundet.

King Konni beim Urwaldeinsaugen.

Jörg Lorenz beim Affentanz.

Hier eine Auswahl extrem langweiliger Urwaldbäume:

Erstaunlich war die große Leistungsfähigkeit der Mopeds, die uns hunderte von Kilometern über die doch recht bescheidenen Holperpisten zu den abgelegensten Tempeln brachten. Nur eine Panne war zu beklagen. Die war dafür um so aufregender, weil sie in einem entlegenen Dorf passierte, in dem die Einwohner offensichtlich nur recht selten Touris zu Gesicht bekommen. Und so waren wir eine Stunde lang die Attraktion schlecht hin in dem Dorf, vor allem für die Kinder .......

Solch einen erbärmlichen Anblick bekommen kambodschanische Kinder nur selten zu Gesicht: Jörg Lorenz nach 60 Kilometern Moped-Fahrt auf einer staubig, mit Schlaglöchern durchsäeten Holperpiste.

Ohne Worte .......

Noch ein paar (ansehnlichere) Impressionen aus Siem Reap:

Die Rückreise - oder besser gesagt die 418 Kilometer von Siem Reap nach Bangkok in atemberaubenden 13,5 Stunden: Unser wirklich freundlicher Hobby-Krokodilzüchter weckte uns eine Stunde früher als ausgemacht um 6 Uhr morgens und teilte uns freudig mit, dass unser Bus gleich abfährt - natürlich eineinhalb Stunden früher als geplant. Ohne Frühstück, dafür mit Kater ging's in die Stadt. Als der erste Ärger über das frühe Aufstehen verflogen war, freuten wir uns auf den angkündigten großen, geräumigen und klimatisierten Reisebus, der uns sanft nach Bangkok zurückbringen sollte. Beim Anblick des Vehikels, das uns schließlich nach Thailand bringen sollte, wurde uns allerdings schnell klar, was später auch passierte. Wir haben den Kleinbus auf Anhieb gehasst und bekamen dafür auch nur die Notsitze. Inmitten lauter gut gelaunter Traveller saßen zwei weniger gut Gelaunte. Die Karre schaukelte und stampfte mit einem nervtötenden Getöse durch die Schlaglöcher - die Durchschnittsgeschwindigkeit lag bei vielleicht 20 km/h. Rund 50 Kilometer vor der thailändischen Grenze passierte das Unausweichliche: Die Mistkarre verreckte - unsere Laune stieg ins Unermessliche, schließlich hatten wir wieder einmal Recht behalten. Weniger angenehmer waren die 3 Stunden Wartezeit auf den angekündigten Ersatzbus, der natürlich nicht kam. So wurden alle 25 Touris samt Gepäck auf einen Pick Up gepackt. Dass dieser nicht zusammengebrochen ist, widerspricht eigentlich sämtlichen Gesetzen der Physik. Ebenso überraschend war die Tatsache, dass keiner der nicht mehr ganz so gut gelaunten Traveller im hohen Bogen von dem Pick Up flog. Denn das war offenbar genau das der Plan des Fahrers, der mit Vollgas durch die Schlaglöcher bretterte und sich auch von dem lauten Schreien und Klopfen von draußen nicht irritieren ließ. Der Vollständigkeit halber muss gesagt sein, dass wir uns nicht zu den Amerikanern aufs Dach gesetzt hatten, sondern die Gesellschaft des Japaners auf dem Rücksitz des Pick Ups vorzogen. Ob wirklich alle angekommen sind, unterzieht sich unserer Kenntnis. Jedenfalls sind wir tatsächlich noch kurz vor dem Schließen der Grenze (ab 17 Uhr ist zu - die Zöllner brauchen schließlich auch ihren Feierarbend) angekommen und waren um 17.01 Uhr in Thailand - die übrigen 200 Kilometer bis Bangkok schafften wir übrigens in zwei Stunden.

Mistkarre von hinten

Der Konni, vier skeptisch dreinschauende Traveller und eine soeben verreckte Mistkarre ...

Die Traveller beim verlassen des Pick Ups. Ob wirklich alle in Thailand angekommen sind, ist mit letzter Sicherheit nicht geklärt.

In Thailand erholten wir uns schnell von den Strapazen der Rückreise und stürzen uns in eine ausschweifende Shopping-Tour:

Der Rückflug:

Wohl dem, der beim langen Warten auf dem Flughafen in Bangkok ein "Eincheck-Shinga" zur Hand hat.

Fazit der Reise: Besser geht's nicht!

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