Sessionkreis auf Reisen

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen ..... Höchste Zeit, dass auch der Sessionkreis damit anfängt, seine Mitmenschen mit Reiseberichten zu quälen. In unserer neuen Rubrik haben Sessionkreismitglieder ab sofort die Gelegenheit, Berichte und Fotos von ihren Fahrten, Flügen, Aufenthalten etc. online zu stellen. Den Anfang macht ein Bericht von Herrn Müller Lüdenscheidt (nachfolgend HML abgekürzt) und Jörg Lorenz Rüdiger über eine Wohnmobiltour nach Italien ....

Das schnieke Dethleffs hatten wir uns von einem freundlichen Wohnmobilvermieter aus Schongau geliehen. Und es hatte wirklich alles, was das Herz begehrt: Dusche, Klo, Küche, Fahrradträger jede Menge Stauraum für Bier und Wein, Mördergeiler Kühlschrank (immer kaltes Bier), etc.

Sonntag, 18.04.2004:

Um 11 Uhr kommt Rüdiger mit Luxus Fiat Ducato Dethleffs Wohnmobil zu HML nach Wolfratshausen. Nach einigen Einräumarbeiten wird gegen 13 Uhr eine Südroute eingeschlagen.

Der Weg führt über Garmisch-Ehrwald (Fleischbatzen) - Fernpass-St. Moritz (Schneefall) an den Comer See (Westufer).Schnell wird ein fabelhafter Parkplatz mit Seeblick gefunden. Neben Penne mit Pesto, Bier und Wein gibt es auch einen prima Platz für die Morgentoilette: ein verlassenes Haus mit Bett und Jacken an der Wand. Am Abend wird durch das Wohnzimmerfenster (Seeblick, Reality-TV) der erste Kontakt mit Einheimischen geknüpft. Alter Mann mit Regenschirm gestikuliert seine Unzufriedenheit mit den vorherrschenden Temperaturen und dem Wetter im Allgemeinen.

Montag, 19.04.2004:

Nachdem es bis in den späten Vormittag aus vollen Kübeln geschüttet hat, wird der Tagesanfang für ausgiebiges Gammeln genutzt. Um dem schlechten Wetter zu entfliehen, führt die weiter Route über Como-Mailand-Piacenta in das nächste Gebirge. In der Nähe von Castel Arquato wird erneut ein tolles Nachtquartier mit Fernblick ausfindig gemacht. Zum Abendessen gibt es unterwegs erstandenen Parma-Schinken sowie delikaten Käse. Schachturnier endet 1:1.

Dienstag, 20.04.2004:

Jörg Lorenz bekennt sich offen dazu, dass er ein grauenhafter Beifahrer ist und entschuldigt sich in aller Form. Frühstück mit Blick in die Alpen (mal von der anderen Seite). Weiterfahrt etwas abenteuerlich. HML (guter Beifahrer) lässt Jörg Lorenz freie Hand und setzt sich aufs Fahrrad. Nach zwei bis drei albernen Pässen zwischen Bardi und Borgo vla di Taro ist Wohnmobilquäling angesagt. Ca. 500 Höhenmeter geht es eine Schotterpist hinauf auf einen Berg - erhebliche Steinschlaggefahr (ein dicker Felsbrocken liegt auf dem Weg). Wir schaffen's trotzdem. Oben angekommen das erste Mal Meerblick und zwei Windräder. Bergab führt eine Teerstraße nach Varese (Lorbeerkranz für Navigator Jörg Lorenz). "Nur noch 5 Minuten, dann sind wir am Meer", sagt HML. 1,5 Stunden später unterqueren wir die Autobahn (nach beschaulicher Fahrt durch idyllische Landschaften und Dörfer) und bekommen weitere 30 Minuten später tatsächlich das Meer zu Gesicht. In Sestri Levante August-Fotos gemacht - Weiterfahrt. Nachtquartier ist eine Baustelle mit Meerblick.

Mittwoch, 21.04.2004:

Pünktlich um 7.15 Uhr wecken uns vier freundliche Bauarbeiter. Dennoch stressfreie Weiterfahrt Richtung La Spezia. Thailändisches Frühstück an Straße mit Meerblick und Hund. Höllen-Mineralwasser-Kaffee. Nächstes Ziel: Cinque Terra. Exterem langweilige Fahrt an der Küste entlang. Abfahrt Levanto, ca. 10 Km Serpentinen (auf und abwärts). Jörg Lorenz darf aufs Fahrrad (an diesem Tag also ein guter Beifahrer). Allgemeines Ambiente wird als kitschig eingestuft und fortan gehasst: Kitschiger Campingplatz, kitschige Stadt, kitschige Bucht und ein an Kitschigkeit nicht zu übertreffender Sonnenuntergang. Außerdem: heldenhafte Fahrrad-Reparatur, teures Bier, Pizza-Essen, Touris in Bikinis, Italiener in Wintermänteln, Surfer und Sonnenbrand, Heilkraut am Wegesrand, Ave Maria Plena Dominus Stecum Benedicta tu imiunerius benidictus fructus ventris di Jesus ...

Donnerstag, 22.04.2004:

HML hat neben dem Wohnmobil übernachtet. "Weckruf" von unterbeschäftigtem Campingplatzgärtner, der mit ohrenbetäubendem Handrasenmäher jedem Grashalm einzeln den Garaus macht. Zudem macht sich in unmittelbarer Nachbarschaft ein Hennenverein (8-10 Frauen aus OAL) breit - nervtötendes Geschnatter ist die Folge. Selbiger Verein wird während des Daytrips noch zweimal getroffen. Nach Frühstücksei mit Asia-Salz Siesta. Anschließend Sportprogramm: Montainbikes 4 Km Berg hochgeschoben und dann bei Ureinwohner liegen gelassen. Fußmarsch an Steilküste entlang. Dabei die Familie Hasi aus Wien kennengelernt. Die Hasis haben es nicht einfach: Mit Flugzeug von Wien nach München und von dort nach Genua geflogen - "nach New York wär's billiger gewesen" (Frau Hasi). Von Genua mit Mietauto nach Cinqua Terra. Dort Hotel für 62 € pro Nacht pro Nase. Der Gipfel: das Frühstück. Nur "Scherzl" vom Brot, Nutella und Marmelade aus abgepackten Mini-Plastikbehältern und drei Stück Käse für 40 Hotelgäste. Gott sei dank sind Deutsche vor Ort, die ordentlich auf den Putz hauen, finden die Hasis. Die gezuckerten Haferflocken waren aber nicht nach dem Geschmack von Frau Hasi. Auch die EU findet Frau Hasi doof. Insbesondere den Euro (Neoliberalismus). Die demolierten Telefonzellen in Wien findet sie dagegen ok - schließlich ist die österreichische Jugend frustriert. Da kann schon mal ordentlich was kaputt gemacht werden. Dank den Hasis tollen Aussichtspunkt auf alle fünf Dörfer gefunden: der Gipfel der Kitschigkeit!!!! Mit Sonnenbrand zurückgewandert. Würstel gegrillt, später Nudeln mit Kruder & Dorfmeister.

Freitag, 23.04.04:

Widerlich! Was ist passiert? Großes Bett gefunden. Frühstück im Halbschatten. 47 € gelöhnt (weniger als die Hasis). Ein letztes mal den den wundervollen kitschigen Meerblick genossen (missmutig betrachtet). Wohnmobilfahren. Wo zum Teufel ist Mantova? Irgendwann dann doch gefunden. Danke liebe italienische Straßenmeisterei, ihr Arschgeigen!!!! Zuvor noch lecker in La Spezia eingekauft (Wein ohne Sprudel erhalten). Endlich wieder Regen. Lago di Garda erreicht. 1860 gewinnt das Derby, prophezeiht HML. Standort Torbule. Mafiosi mit deutschem Auto inspiziert Wohnmobil - düsterer Blick. Riva im Blickfeld. Keine Surfer, aber Berge. Und Wasser.

Samstag, 24.04.2004:

Pünktlich um 8 Uhr durch einen freundlichen Carbinieri geweckt (die Nachbarn haben wohl gepetzt). Wegen des Platzverweises einen Ortswechsel in den frühen Morgenstunden vorgenommen. Super kitschiger Platz (Seeblick) am Westufer gefunden - umrandet von Olivenbäumen. Nach dem Frühstück (Ham & Eggs) kommt ein Kölnerin daher und klärt uns über die ortsüblichen Immobilienpreise auf. Nach einer Brotzeit und einigen Pernots geht's gen Heimat. In Riva ein letztes mal einen Supermarkt nach einem großen Kaffee-Brenner durchsucht - erfolglos. Gegen 21.30 Uhr Ankunft bei HML.

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